Der Churer Weihbischof Marian Eleganti will, dass Homosexuellen der Zugang zum Priesteramt verwehrt wird. Damit schlägt er sich auf die Seite derer, die den Rücktritt von Papst Franziskus wollen. Zudem outet sich Eleganti als Ignorant gegenüber dem humanwissenschaftlichen Erkenntnisstand in Sachen Homosexualität.

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Als wenn der Skandal des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche – seit 2010 haben sich rund 300 Opfer gemeldet – nicht schon zum Himmel stinkt – Weihbischof Marian Eleganti schafft es spielend, an Unsäglichkeit noch eins drauf zu setzen und damit den Spaltpilz tief ins Fleisch der katholischen Kirche zu treiben. Während die Schweizer Bischofskonferenz den sexuellen Missbrauch in der Kirche mit neuen Regeln wie der Anzeigepflicht auch bei erwachsenen Opfern versucht einzudämmen, fordert Eleganti, Homosexuelle müssten aus den Priesterseminarien ausgeschlossen werden. Der «Missbrauchsskandal zeigt halt doch», so Eleganti, «es hängt mit der Homosexualität zusammen». Salbungsvoll meinte der konservative Weihbischof weiter: «Vielleicht bringt uns das auch wieder ein bisschen näher zu einer neuen Nüchternheit, bevor wir einfach die Homosexualität als eine ebenso wertvolle Variante der Schöpfung anschauen, wie die heterosexuelle Ehe.»
Blanker Unsinn
Auch wenn sich die Bistümer Basel und St. Gallen postwendend von diesen weihbischöflichen Auslassungen Elegantis – sie seien das «Gegenteil von seriösen Anstrengungen, künftig sexuelle Übergriffe zu verhindern – distanzierten, verlangt Eleganti weiterhin von der Kirche «das öffentliche Eingeständnis, dass wir es im Klerus der Kirche seit Jahrzehnten mehrheitlich mit homosexuellen Straftätern zu tun haben». Dabei beruft sich Eleganti auf den «Jay-Report» (2010) aus den USA, gemäss dem 81 Prozent der Opfer von sexuellen Übergriffen in der Kirche männlich seien. Für Eleganti ist klar, dass die Täter meist Homosexuelle seien. Auch Kirchenrepräsentanten in der Schweiz, so hält Eleganti in einer schriftlichen Erklärung fest, betrieben «Vertuschung», weil sie verschweigen würden, dass es sich in der Kirche «erwiesenermassen vorwiegend um homosexuelle Täter» handle. «Das ist blanker Unsinn», kommentiert Psychologieprofessor Udo Rauchfleisch auf Anfrage.
Mit solchen scheinbar wissenschaftlich untermauerten Aussagen stellt sich Weihbischof Eleganti eindeutig auf die Seite der amerikanischen Papstkritiker um den ehemaligen Vatikan-Botschafter in den USA, Erzbischof Vigano. Dieser hatte mit einem Memorandum Papst Franziskus zum Amtsverzicht aufgefordert wegen angeblicher Versäumnisse im Umgang mit ranghohen homosexuellen Geistlichen. Zudem wirft Vigano Papst und Kurie vor, sie hätten Homosexuellen-Lobbys und liberale Bischofsernennungen gefördert.
Unnötig giesst Eleganti mit seinen homophoben Auslassungen ordentlich Öl in diesen «Bürgerkrieg» im Vatikan. Womöglich versteht der Weihbischof dies als eine Art Bewerbung für Bischof Huonders Nachfolge 2019 in Chur, zumal sich bis dahin der Wind in Rom schon wieder gedreht haben könnte.
Bare Ignoranz
Aus humanwissenschaftlicher Sicht ist ein Zweites zu den unsäglichen Äusserungen von Eleganti zu sagen. Die Verknüpfung von Homosexualität und Pädophilie «ist perfide und zeugt von barer Ignoranz», wie Psychologieprofessor Udo Rauchfleisch auf Anfrage unterstreicht. Dass insbesondere die katholische Kirche ein krankes Verhältnis zur Homosexualität hat, hatte Rauchfleisch schon 2005 im Gespräch mit dem aufbruch dargelegt. Als bereits damals Papst Benedikt XVI. gleichgeschlechtlich Empfindenden mit seiner «Instruktion über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen» beschied, sie dürften wegen ihrer Homosexualität nicht Priester werden, stellte Rauchfleisch klar: «Nach heutigem humanwissenschaftlichen Kenntnisstand ist Homosexualität eine der Heterosexualität gleichwertige Variante. Sie hat überhaupt nichts mit einer psychischen Krankheit zu tun, sondern enthält wie die Heterosexualität auch das gesamte Spektrum von Gesundheit bis Krankheit. Es gibt darüber hinaus keinerlei Erkenntnisse, Homosexualität hätte etwas mit Erziehungsfehlern der Eltern zu tun. Daher wurde die Diagnose Homosexualität bereits vor vielen Jahren aus den internationalen Klassifikationssystemen für psychiatrische Erkrankungen gestrichen. Insofern befindet sich die katholische Kirche in krassem Widerspruch zu unseren humanwissenschaftlichen Erkenntnissen und verharrt auf einer anachronistischen, völlig überholten Position, die heute unhaltbar ist.» Der Basler Emeritus wertet Elegantis Äusserungen denn auch zu Recht als «in höchstem Masse diskriminierend». Wie damals schon Papst Benedikt spreche Eleganti «Schwulen generell die ‚affektive Reife‘ ab und vertritt die Ansicht, die gleichgeschlechtliche Orientierung behindere Menschen ’schwerwiegend an der korrekten Beziehungsaufnahme zu Männern und Frauen.» «Dies ist», so stellt Udo Rauchfleisch klar, «eine ungeheuerliche Unterstellung, die in keiner Weise der Realität entspricht.»
Und eins ist klar: Weltweit werden Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker durch derartige Unsäglichkeiten von Kirchenrepräsentanten nochmals zum Opfer. Und in Sachen Homosexualität täten katholische Amtsträger und -aspiranten gut daran, sie gingen endlich offen und nicht diskriminierend mit ihrer sexuellen Orientierung um.
Aufschlussreiche Hintergrundinformationen und Zusammenhänge
Diese Klarstellungen werfen ein schlechtes Licht auf die leider nicht sehr aufgeklärte katholische Kirche. Soll das auch in Zukunft so bleiben? Wird Papst Franziskus bekämpft weil er sogar etwas daran ändern könnte?
Ein würdiger Nachfolger…wir alle werden wohl nicht erleben, dass unsere Kirche jemals irgendwie „Christuskonform“ wird.
Wenn die kath. Kirche homosexuelle Priester aus ihren. Reihen verbannen will, dann hätte sie vermutlich auf einen Schlag 40-50% weniger Seelsorger. In Zeiten des Priestermangels eine absurde Idee! Obwohl, dann geht es vielleicht schneller mit der Auflösung des Systems, und es kann früher etwas Neues entstehen, in dem niemand mehr diskriminiert wird.
Wie in der Politik werden auch in der sog Amtskirche „Macht“haber nicht fertig mit der Pluralität, der Diversität der Menschen (wie der gesamten Schöpfung), und suchen, ihre eigene Meinung und Einstellung als die einzig richtige darzustellen und durchzusetzen. in dieser kritischen Phase der Entwicklung befinden wir uns derzeit. Den weiteren gemeinsamen (!) Weg können wir nur finden, wenn wir uns dieser Schwierigkeit stellen, dass wir den jeweils eigenen Ansatz als den einzigen empfinden; dass wir irgendwo in unseren Herzen Angst davor haben, dass es auch andere Wege, andere Empfindungen geben kann. Vielleicht sollten wir einmal das Gemeinsame Ziel (!) benennen, zu dem wir eben alle hin wollen, dann mag der Weg dorthin in seiner Verschiedenheit nicht nehr so relevant sein.
Gewiss: Man kann von „blankem Unsinn“ und „barer Ignoranz“ im Zusammenhang mit der Äusserung von Bischof Eleganti bezüglich der Aufnahme von Priesteramtskandidaten mit homosexueller Präferenz in Prieseterseminarien und dessen Forderung, diese nicht zur Weihe zuzulassen, reden. Bloss: Es ist wieder ein weiteres Beispiel, wie die Theologenzunft zum Teil ganz offensichtlich nicht fähig ist, ihre kircheninternen Streitigkeiten in einer etwas ausgewogenen Debatte auszutragen. Je nach Denkungsart werden da gegnerische Argumente schlicht ausgeblendet, als ob sie nicht existieren würden und Argumentationsstränge, die vor dem Tribunal der Wissenschaft Zweifel aufkommen lassen, allein dem gegnerischen Lager zugeordnet. Dass dieser Bischof Vigano die Stellung seines vorgesetzten Bergoglio im Kontext der Missbrauchsdebatte gerne ein wenig schwächen würde, erscheint dem Laien, der nicht hinter die Kulissen zu sehen vermag, gar nicht so abwägig, zumindest nicht von vorneherin unglaubwürdig. Anderseits nehmen sich auch die Prügel gegen Eleganti doch etwas merkwürdig aus, kommt es einem doch auch ein wenig vor, bei dieser Gelegenheit auch dessen Vorgesetztem, Bischof Huonder, einen Schlag versetzen zu können.
Immerhin wurde die Forderung, Menschen mit homosexueller Präferenz nicht zum Priesterberuf zuzulassen, in keinster Weise am Hofe des Churer Bistums in die Welt gesetzt. Bergoglio höchst persönlich erteilte einem Dokument der Kongregation für den Klerus (Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis, Ziffer 199) die Approbation und ordnete dessen Publikationen für den 8. Dezember 2016 an. Darin wird unter der genannten Ziffer frischfröhlich die ungeheuerliche Behauptung aus einem früheren vatikanischen Dokument aus dem Jahre 2005 übernommen, die dahingehend lautet, dass Menschen mit tiefgehenden homosexuellen Präferenzen sich in einer Situation befänden, die nicht erlauben würde, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen. Man stelle sich dies einmal vor!!!
Aber nicht weniger abwägig ist, dass man solche zweifelhaften Verlautbarungen nur den konservativen Gegnern in Chur in den Mund legen will und die Quelle der eigentlichen Herkunft, vom amtierenden Papst, schlichtweg verschweigt. In der heutigen NZZ vom 6. September jedenfalls wurden nur Pfeile gegen Chur abgeschossen und die päpstlichen Ungeheuerlichkeiten aus dem Vatikan schlichtweg verschwiegen.
Wenn die kirchlichen Würdenträger und Mitglieder der Theologenzunft, ob konservativ oder progressiv, doch die Gnade hätten, sich ab und zu an einen Stammtisch in einer Beiz zu begeben, eins oder zwei Biere zu genehmigen und sich inspirieren zu lassen, wie man Defizite in der eigenen Aurgumentation und allfällige Stärken der gegnerischen Position nach sokratischer Manier auf den Tisch legt.
Diese Forderung von Weihbischof Eleganti ist dermassen ignorant und dumm, dass man dazu eigentlich gar nichts sagen kann. Ich denke, dass es der katholischen Kirche in unseren Breiten eher schadet als nützt. Meiner Meinung nach ist dieses ganze Dilemma von Missbrauch und Übergriffen bis zu Vergewaltigungen der Amtsinhaber darauf zurück zu führen, dass für das Priesteramt das Zölibat gefordert ist. Die meisten Menschen sind dafür nicht geschaffen und da macht die Geistlichkeit keine Ausnahme. Diesen Zwang zum Zölibat sollte Rom abschaffen.